Ziel

Der Weg der Steine

Der Weg der Steine

Ich habe lange überlegt ob ich diesen Beitrag schreiben möchte oder nicht. Das Foto geht mir schon länger nicht aus dem Kopf. Und so… Na ja, hier sind meine Gedanken dazu.

Das Leben ist ein langer Weg. Meistens jedenfalls. Denn das Ziel ist, zeitlich gesehen, ungewiss. Niemand von uns  kann heute sagen wann und wie genau dieser Weg endet. Allenfalls erahnen. Von Kindesbeinen an laufen wir los und lernen das Leben. Und genau dann merken wir, wie viele Steine auf unserem Lebensweg liegen. Manche recht klein, über die können wir hinweglaufen oder sie einfach beiseite schieben. Bei manchen kleinen Brocken müssen wir schon Hand anlegen um den Weg wieder frei zu bekommen. Es ist manchmal mühsam. Und dann gibt es noch die großen Felsen, die wie festgewachsen in die Erde gerammt sind. Da kann man versuchen sie auszugraben. Man stößt unweigerlich auf noch mehr Steine. Je mehr wir buddeln, desto mehr Steine fallen zurück auf den Weg und wir beginnen von vorne, müssen vielleicht einige Schritte zurückgehen um dann endlich weiter zu kommen. Den Felsen kann man nicht so leicht versetzen, aber vielleicht einen Weg drumherum finden, um dann wieder auf den Weg zu stoßen, welcher uns angedacht ist. Das klingt zunächst gar nicht so schwierig, möchte man denken. Der Haken dabei ist, wenn wir unsere Steine aus unserem Weg räumen, laufen wir oft in Gefahr genau diese Steine auf den Weg anderer zu legen, womit zwar unser Weg frei ist, jedoch der von anderen jetzt möglicherweise nicht mehr. Dies Herausforderung ist manchmal gar nicht so einfach. Und manchmal gibt es unüberwindbare Hindernisse bei denen wir meinen, sie nicht bewältigen zu können… Und dann? Vielleicht können wir auf unseren Weg des Lebens  zurückschauen. Vielleicht ist da jemand, der uns helfen kann auch dieses Hindernis zu schaffen. Manchmal geht es gemeinsam doch besser als sich alleine durch zu quälen.

Jeder von uns hat Hürden zu bewältigen. Arbeitslosigkeit, Krankheiten, Probleme in der Familie oder im Beruf, ja auch Corona und die daraus resultierenden Folgen können durchaus zu Hürden werden, Überforderung und etliche mehr. Egal welche Hürden jeder Einzelne hat, jede von ihnen hat für ihn eine eigene große Bedeutung, die ein anderer keinesfalls abwerten darf. Jede Hürde ist für jemanden sehr schwer, für einen anderen eben nicht. Wenn wir nach links und rechts schauen und jemanden an einem Problem zu verzweifeln drohen sehen und wir den Mut und die Kraft haben, was ist dabei diesem zu helfen? Das kann ein Gesprächsangebot sein, tatkräftige Hilfe, Hilfe zur Selbsthilfe, ein freundliches Wort, ein Lächeln, ein “in den Arm nehmen”, ein gemeinsames Weinen, ein Gefallen, ein Brief, eine Aussprache, eine Spende, ein Geschenk… es gibt so viele Möglichkeiten einander durch schwierige Zeiten zu begleiten. Die andere Seite, die gibt es ja auch, ist: Wenn jemand Hilfe braucht und keiner sieht dies, was dann? In unserer sehr schnell gewordenen Zeit, wo Abläufe so dermaßen optimiert und reglementiert sind, kommt es häufig vor, dass Menschen einfach abgehängt und übersehen werden. Dann ist es an der Zeit nach Hilfe zu fragen. Auch das kann für einige schon ein großes Problem darstellen, dessen bin ich mir bewusst. Ich habe jahrelang ehrenamtlich bei der Tafel gearbeitet und weiß wie schwierig es sein kann um für Nahrungsmittel anstehen zu müssen, einfach weil die Rente nicht reicht. Oder ALG2. Oder aus ganz anderen Gründen. Es ist wahrhaftig nicht einfach um Hilfe zu bitten, dies liegt in der Natur der Sache. Wer gibt schon gerne von sich zu Hilfe zu brauchen? Das bedeutet Gesicht zeigen zu müssen, sich schämen weil man Hilfe braucht, mit leeren Händen dastehen und zuzugeben wie verzweifelt man ist. Das bedeutet in heutigen Zeiten: Schwäche zeigen. Und Schwäche zeigen tut man nicht. Doch, lieber Leser, liebe Leserin, so funktioniert das System Mensch nicht. In unserer aller Individualität gibt es immer Leistungsträger und Menschen, die mitgetragen werden müssen. Warum? Weil wir Menschen sind. Weil wir ein Gewissen haben. Weil uns das vom Tier unterscheidet. Das System Mensch funktioniert nur zusammen. Gemeinsam kann man die Hürden eher meistern als alleine. Wenn wir alle versuchen, jeder für sich im Kleinen, wie im Großen, nach links und rechts zu schauen ob jemand auf der Strecke geblieben ist, ist schon viel getan. Jeder mit seinen Möglichkeiten. Und trotzdem sich nicht für andere gänzlich aufgeben oder ausnutzen lassen. Denn das ist mit Sicherheit nicht im Sinne von Hilfsbereitschaft gemeint.

Ein altes russisches Märchen beschreibt dies ganz zutreffend:

Ein Mann spricht zu Gott: “Herr, ich möchte die Hölle sehen und den Himmel.” Gott zeigte ihm in einem Traum die Hölle. Der Mann sah einen großen Raum, in dessen Mitte sich eine Feuerstelle befand. Über der Feuerstelle ein großer Topf mit köstlichem Essen. Rings um die Feuerstelle saßen dicht gedrängt Menschen, die abgemagert und krank aussahen. Alle schöpften mit langen Löffeln aus dem Topf. Doch sie konnten das köstliche Essen nicht zum Munde führen, denn die Löffel waren zu lang. In einem weiteren Traum zeigte Gott dem Mann den Himmel. Alles war wie im Raum zuvor.

Dichtgedrängt um das Feuer mit dem köstlichen Essen Menschen mit langen Löffeln. Alle schöpften mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Diese Menschen sahen gesund aus, gut genährt und glücklich. Der Mann benötigte in seinem Traum einen Moment, um den Unterschied zu erkennen:

Die Menschen im Himmel gaben sich gegenseitig zu essen, führten sich die langen Löffel einander in den Mund.

Indem sie gaben, empfingen sie!

In diesem Sinne, passt auf Euch auf!

Freric

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Posted by lovefeet1973 in Auf ein Wort, 0 comments