Julia X

“Vom Leben und Sterben eines Kindes, Teil 3”

Den ganzen Tag über hatte ich ein ungutes Gefühl im Magen, mochte nichts essen, Angst schwirrte unaufhörlich in meinem Kopf herum. Angst, das eigene Kind zu verlieren. Vergangene Nacht hatte ich den Notarzt gerufen, da meine Kleine nur noch flach atmete und ihre Sättigungswerte sehr schlecht waren, begleitet von sehr hohem Fieber (siehe: “Vom Leben und Sterben eines Kindes, Teil 2”). “Ich weiß nicht, ob sie den Transport in das Krankenhaus überlebt”, hatte mir der Notarzt noch gesagt. Es hatte geklappt, nachdem das Ärzteteam vor dem Haus im Krankenwagen 15 Minuten lang brauchte, um sie soweit zu stabilisieren, dass die Fahrt starten konnte.

Ihr Vater war mit ihr im Krankenhaus; ich war zu Hause und versorgte den Kleinen, gerade war er erst vor zwei Wochen geboren. Er trank gut und mein Milchfluss noch nicht voll da, so konnte ich noch keine Vorräte an Muttermilch ansammeln. Somit brauchte er meine Anwesenheit, und ich konnte nicht bei ihr im Krankenhaus sein. Ich führte an diesem Tag Arztgespräche, erst mit dem diensthabenden Arzt, dann mit dem Oberarzt der Kinderintensivstation. Er machte mich darauf aufmerksam, dass sie nicht wüssten, ob die Kleine überleben würde, da ihre Lungentätigkeit weiter abnahm und ihr Fieber nicht sank. Irgendwann sprach dann der Chefarzt mit mir, erklärte mir die Vorgänge von Herzaktivität und Lungenfunktion. Ich hatte fast drei Jahre immer wieder Aufenthalte auf Intensivstationen hinter mir, ich wusste, was diese Dynamik bedeutete.

Einmal klingelte eine Nachbarin. Was denn bei uns los sei, der Krankenwagen sei vergangene Nacht vor unserem Haus gestanden. Ich konnte das Gespräch schnell abwimmeln. Keine Kraft für das gerade. Es klingelte noch ein paar Mal an der Tür, ich machte jedoch nicht mehr auf. Es war mir zu viel, ich brauchte mein bisschen Kraft für mich.

Mein Kleiner gab mir Halt und Trost. Diesen kleinen, warmen Körper zu spüren, in seine Augen zu sehen… Immer mal wieder musste ich weinen. Einfach so, konnte mich nicht beherrschen. Tröstende, wissende Augen schauten mich dann aus diesem jungen Gesicht an. So klein, verstand er vermeintlich schon alles.

Immer wieder führte ich auch Telefonate mit ihrem Vater. Er war müde, verzweifelt, traurig, erschöpft, überfordert vom Entscheidungen fällen, vom Zusehen müssen, was alles an medizinischen Behandlungen an ihr gemacht wurden. “Die Ärzte holen ständig Blut, geben dies und jenes Medikament, fragen immer, was sie im Notfall tun sollen, wie weit sie reanimieren sollen. Unsere Kleine ist nicht mehr aufgewacht. Sie scheint zu schlafen. Ich weiß nicht, ob sie überlebt…” Ich habe ihn in diesem Moment bewundert, wie er all das schaffte, wie er die ganze Zeit an der Seite seiner Tochter stand, seit 24 Stunden durchgehend wach.

Der Anruf

Abends legte ich mich mit meinem Kleinen hin. Er hatte gerade getrunken, ich legte derweil das Handy in Reichweite, falls ein Anruf kommen sollte. Ich hatte es wohl geahnt, der Anruf kam nachts um halb eins. Ihr Vater war am Apparat, unter Tränen brach seine Stimme: “Komm schnell in´s Krankenhaus. Sie sagen, sie wird bald sterben…”

Es ist seltsam, ein solcher Moment. Was geht da in einem vor? Eine merkwürdige Ruhe erfüllte mich. Ich musste auch nicht weinen. Irgendwie agierte ich wie ferngesteuert und rief Verwandtschaft an. Ich pumpte noch schnell Milch ab, damit der Kleine etwas hatte, sollte er später aufwachen. “Beeile dich”, sagte meine Verwandte, “dass du dich noch verabschieden kannst von ihr.” Der Kleine schlief friedlich, als ich mitten in der Nacht das Haus verließ, mich in das Auto setzte und in das Krankenhaus fuhr. Mein Unterbauch schmerzte noch beim Fahren, der Kaiserschnitt lag erst zwei Wochen zurück. Eigenartige Gefühle waren meine Wegbegleiter. Als ich so fuhr, sah ich in Gedanken eine Kerzenflamme, die immer schwächer wurde. Ich spürte, dass sie bald sterben würde. “Schatz, bitte halte durch, Mama ist gleich da”, flüsterte ich ihr in Gedanken zu.

Ich erreichte das Krankenhaus und fand aufgrund der Uhrzeit sofort einen Parkplatz. Etwas hinkend lief ich zum Eingang, die Narbe schmerzte am Bauch beim Gehen. Die Gänge waren menschenleer. Ich erreichte die Intensivstation, ein buntes Schild mit spielenden, lachenden Kindern zeigte auf die Eingangsklingel. Ich klingelte, meldete mich namentlich an, die großen Schwingtüren öffneten sich automatisch. Sofort umgab mich der vertraute Geruch von Krankenstation und Medizin. Eine Schwester saß am Tresen. Ihr Blick sprach Bände. Mitleid… Eine andere Schwester kam auf mich zu, ich kannte sie bereits von früheren Aufenthalten. Sie begleitete mich zur Isolierstation, auf die alle Patienten mit hohem Fieber kamen. Bevor ich das Krankenzimmer betrat, atmete ich einmal tief durch…

Meine Kleine

Das Kinderbett nahm den Raum fast gesamt ein. Um das Bettchen herum standen zig Apparate, Maschinen blinkten und summten, ab und an ein Piepsen. Monitore erleuchteten das fahle Licht. Ihr Vater stand neben dem Bett, eine andere Schwester war an ihr zugange. Es war ein altvertrauter Anblick, der sich mir da bot. Ich kam näher zum Bettchen, begrüßte die Anwesenden. Ihr Vater hatte eine tiefe Traurigkeit im Blick, unendlicher Schmerz zeichnete sich darin ab. Die Krankenschwester versuchte locker zu sein, lächelte mich an. Ihre Augen straften ihre Fröhlichkeit. Mitleid sprach aus ihnen sowie die Gewissheit, was kommen würde. “Ich kann nicht mehr, ich bin seit 24 Stunden wach”, sagte mir ihr Vater. “Lege dich ein wenig hin, ich bin jetzt da.” Die Schwester neben mir kommentierte lachend: “Vorhin war er mal eingenickt, wir mussten ihn dreimal ansprechen, bis er aufwachte.” “Haben Sie schon einmal 24 Stunden durchgehend am Krankenbett ihres sterbenden Kindes gewacht?” fragte ich die Schwester. Ihr Lachen erstarb daraufhin, sie entschuldigte sich. Sie erklärte mir, dass sie der Kleinen gerade ungefähr 10 Medikamente zeitgleich gaben, bei einem zeigte sie starke Nebenwirkungen, das mussten sie absetzen, da ihre Hände blau anliefen. Ich sah hinab auf die Hände meiner Kleinen: Eine Hand war fast schwarz, die andere blau. “Wieviel musstest du erleiden mein Schatz”, dachte ich mir. Stattdessen fragte ich die Schwester: “Geht das wieder weg an ihren Händen?” “Ja, das geht wieder weg”, meinte sie daraufhin. Wir wussten in diesem Moment beide, dass das keine Rolle mehr spielte. Ich bat die Schwester, ob sie mich mit meiner Kleinen alleine lassen könnte. Sie bejahte und verließ daraufhin den Raum. Ich war mit ihr alleine. Ihr Vater lag ein wenig entfernt auf einer Pritsche, er war sofort eingeschlafen vor lauter Erschöpfung.

Gedankenversunken schaute ich auf meine Süße herab. Ihre Haut war nicht mehr grau, sondern erstaunlicherweise ganz rosig. Zig Kabel liefen zu und von ihrem kleinen Körper weg, ein Tubus steckte in einem ihrer Nasenlöcher. Sie atmetet bereits nicht mehr selbstständig, eine Maschine erledigte dies stattdessen. “Hätte ich nur keinen Notarzt mehr gerufen”, dachte ich mir, als ich sie so sah, mit ihren dunklen Händen, den blauen Flecken vom Blut abnehmen, all die Schläuche. Ich beugte mich zu ihr herunter, legte meine Wange an ihre Stirn. Die einzige Stelle in ihrem hübschen Gesicht, die noch frei lag. “Schatz, du musst jetzt kämpfen. Wir lieben dich so sehr. Dein kleiner Bruder wartet daheim auf dich.” Nach einer kurzen Pause sprach ich weiter: “Wenn es nicht mehr geht, wenn du nicht mehr kannst, dann ist es in Ordnung Schatz, dann darfst du gehen.”

Ihre schwarze Hand mit den blaurot unterlaufenen Fingernägeln lag in meiner Hand, ich lauschte dem mechanischen Brummen der Beatmungsmaschine, roch sie noch einmal, wobei ihr eigentlicher ureigener Geruch bereits verflogen war. Auf einmal zuckte ihr linkes Bein. Ich richtete mich auf. Ihr Brustkorb zog sich daraufhin unnatürlich stark nach innen ein, zuckte zweimal. Ich blickte auf den Monitor, der ihre Vitalwerte anzeigte. Der Wert des Pulses begann sich auf einmal in steten Schritten zu senken: 125, 118, 108, 102…

Das Sterben

Ich rief zu ihrem Vater: “Wach bitte schnell auf… Sie stirbt…” . Sofort war er hellwach und eilte an das Krankenbett. Ich sah auf sie hinab und meinte zu sehen, wie ihr Gesicht leblos wurde. “Deine Seele geht gerade”, dachte ich mir. 88, 82, 78… Der Monitor, der die Vitalfunktionen aufzeichnete, fing in diesem Moment an, gelben Alarm zu schlagen. 74, 68, 62… Der Alarm verschärfte sich um eine Stufe nach oben, roter Alarm. 58, 52, 48… “Komm gut im Himmel an”, sagte ich zu ihr… Ihr Vater nahm meine Hand, wir sahen uns in die Augen, teilten den Schmerz des Moments…

Zwei Schwestern und eine Ärztin betraten auf einmal hastig den Raum. Die Ärztin sagte: “Es tut mir leid, ihr Kind stirbt gerade. Wollen sie es in den Arm nehmen?” Auf einmal kamen mir die Tränen, ich nickte. Eine Schwester schaltete den Monitor ab, der Wert des Pulses stand mittlerweile bei null. Als sie damals zwei Wochen alt war, hatte ich das schon einmal erlebt, diese Monitoranzeige bei null. Da hatte sie einen Herzinfarkt gehabt, konnte jedoch reanimiert werden und fing sich wieder…

Eilig entfernte die andere Schwester alle Schläuche und legte mir die Kleine in meine Arme. Ihr Vater wollte mir den Vortritt lassen. “Es tut mir so leid. Sie war ein so liebes Kind”, meinte noch die Ärztin, der wir schon bei früheren Aufenthalten begegnet waren. “Notieren Sie Todeszeitpunkt 4.35 Uhr”, hörte ich sie noch ihren Kollegen zurufen.

“Gehen Sie jetzt bitte”, brachte ich noch hervor. So lag meine wunderschöne Kleine in meinen Armen. Vielmehr ihr Körper, denn ihre Seele war schon entflogen. Absurderweise hob und sank sich ihr Brustkorb noch immer, die Schwestern hatten vergessen, die Beatmungsmaschine abzustellen. Es störte mich, dieses Heben und Senken. Eine Schwester kam erneut, stellte daraufhin die Maschine ab und schnitt den Schlauch zum Intubieren durch, dessen Gewicht ihr Gesicht auf die rechte Seite zog. Ich blickte in ihr Antlitz, sah, wie ihre Hautfarbe immer weißer wurde, genauso wie ihr Zahnfleisch und ihre Zunge. Ihr Lippen verfärbten sich langsam bläulich. Nach und nach erkaltete sie. Ich wollte ihr so gerne von meiner Körperwärme abgeben…

Nach einer Weile gab ich sie ihrem Vater. Ich hatte sie ungefähr eine Stunde gehalten, ihre Arme waren mittlerweile steif geworden. Auf meinen Pullover war Flüssigkeit gelaufen, die aus ihrer Bauchsonde austrat. Die ganze Zeit über hatte ich das Gefühl, sie blickte bereits von oben auf uns herab. Irgendwann kam wieder eine Schwester und fragte, ob wir dabei sein möchten, wenn sie sie waschen und anziehen, um sie vorzubereiten für die Leichenschau. Ihr Vater blieb an ihrer Seite und half beim Waschen, während ich das Krankenzimmer verließ. Ich musste zurück nach Hause, die Verwandten hatten angerufen, der Kleine sei aufgewacht und hatte schon den Vorrat leergetrunken.

Das Danach

Ich lief den Flur entlang, vorbei an den Stationsräumen, sah die besorgten Eltern an den Bettchen ihrer Liebsten wachen. Vorbei an dem Empfangstresen, die Schwester zu mir: “Fahren Sie bitte vorsichtig.” Schlenderte durch den langen Flur, der hinweg von der Intensivstation führte bis hin zu einem offenen Bereich. Noch waren die Flure leer, bald würde der alltägliche Trubel einsetzen. Wie war ich diese Krankenhäuser leid. Und doch hatten wir sie gebraucht; ohne ärztliche Behandlung wäre die Kleine spätestens nach der Geburt verstorben, wäre sie überhaupt lebend auf die Welt gekommen. Ich verließ das Krankenhaus und holte vor dem Eingang ein paar Mal tief Luft. Diese schlechte und stickige Luft in den Krankenhäusern hatte ich immer gehasst. Am Auto angekommen, stieg ich ein und saß erst einmal nur da. Eine Kehrmaschine reinigte derweil den Gehsteig, gerade wurden der angrenzenden Apotheke Waren geliefert. Ein Taxi hielt und ließ eine ältere Person aussteigen. Der Verkehr auf den Straßen nahm an Fahrt auf, bald würde der Berufsverkehr richtig anrollen. Irgendwie fühlte sich all das surreal an. Gerade endete ein junges Leben, doch die Welt erlaubte sich einfach weiter zu machen, als sei nichts gewesen. Ich schrieb noch eine Nachricht an einen lieben Menschen, schrieb, dass meine Kleine gerade verstorben war. Komisch, diese Worte zu schreiben…

Dann startete ich den Motor, bog in die belebte Straße ein und machte mich auf den Heimweg. Komisch, ihren Körper dort in diesem Gebäude liegen zu wissen, nicht hier bei mir, auf dem Heimweg…

Irgendwie agierte ich wie ferngesteuert. An die Heimfahrt kann ich mich ansonsten nicht erinnern, der Körper fuhr wohl Automatismen ab. Daheim angekommen öffneten mir die Verwandten die Haustür. Sie nahmen mich in den Arm, ein kurzes Gespräch. Der Kleine sei wieder eingeschlafen. Ich bat daraufhin meine Verwandten, mich alleine zu lassen. Sie waren verständnisvoll und gingen. Zunächst lief ich die Treppe in den ersten Stock hinauf und schaute vorsichtig durch den Türspalt des Kinderzimmers. Der Kleine schlief tief und fest. Daraufhin ging ich in das Bad, zog mich aus, duschte. Als ich mich abtrocknete, erreichte mich die Nachricht des lieben Menschen, dem ich zuvor geschrieben hatte. Ich begann zu weinen, nahm die Wäsche vom Boden, zögerte jedoch einen Moment, bevor ich diese in die Waschmaschine tat. Ihre Körpersäfte waren darauf, irgendwie fühlte es sich so endgültig an, diese zu waschen, die Spuren von ihr zu löschen.

Dann ging ich in die Küche und setzte mich an den Küchentisch. Dort lag die Tageszeitung. Mir fiel auf, dass ihr Todestag eine Schnapszahl war. “Du musst etwas essen und trinken”, sagte ich zu mir selbst. Keinerlei Appetit begleitete mich, mein Mund war seltsam trocken. Doch ich war gezwungen zu essen, ansonsten würde mir die Milch wegbleiben, da ich voll stillte. Meinem Kleinen zuliebe aß ich ein paar Cornflakes, ein Brot hätte ich nicht schlucken können. Beinahe hätte ich mich daraufhin übergeben, doch ich konnte mich soweit konzentrieren und sammeln, dass ich den Impuls unterbinden konnte. Ich ging wieder nach oben, zu meinem Schlafzimmer und setzte mich auf das Bett. Vor mir stand ihr Kinderbett, mit ihrem Lieblingskuscheltier und ihrer Lieblingsdecke. Auf der linken Seite im Regal bewahrte ich ihre Pflegeartikel auf. Alles war griffbereit: die frische Kleidung, ihre Windeln, die Cremes. Der Hausmonitor, der zu Hause ihre Vitalwerte aufzeichnete, hing treu am Regal und wartete darauf, angestellt zu werden. Ich hatte das Gefühl, gleich kommt jemand mit ihr auf dem Arm in das Zimmer und gibt sie mir wieder, um dass ich mich um sie kümmern kann. Ansonsten war mein Kopf leer, ließ mich auf das Kinderbett starren.

Nach einer Weile ließ ich mich nach hinten fallen, zog meine Beine an und schloss die Augen. Kurz musste ich eingedöst sein, da hörte ich auch schon meinen Kleinen nach mir rufen. Sofort war ich wach und ging zu ihm in sein Kinderzimmer, nahm ihn auf meine Arme, setzte mich und legte ihn an meine Brust an. Er trank eifrig und kraftvoll, zufrieden seine wachen Augen. Während ich ihn stillte, liefen mir die Tränen über meine Wangen. Als er fertig war, setzte ich ihn vor mich auf meine Beine und bemerkte, dass er mich fragend ansah.

Ich sagte zu ihm: “Mein Schatz, Mama ist sehr traurig, aber nicht wegen dir. Du bist so ein liebes Kind. Vergangene Nacht, als du geschlafen hast, ist deine liebe Schwester von uns gegangen. Sie ist jetzt im Himmel. Schau, da oben…” und zeigte Richtung Zimmerdecke.

Foto: lizenzfrei pixabay

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“Ethik von Mensch zu Mensch”

“Ethik von Mensch zu Mensch”

Einleitung:

In diesem vorliegenden Artikel soll es um die Erörterung der Thematik „Die soziale Arbeit und deren ethische Hintergründe“ gehen. Was ist Ethik und was beinhaltet diese?

 „Philosophische Disziplin oder einzelne Lehre, die das sittliche Verhalten des Menschen zum Gegenstand hat; Sittenlehre, Moralphilosophie“ „Gesamtheit sittlicher Normen und Maximen, die einer (verantwortungsbewussten) Einstellung zugrunde liegen“

(Duden/Herkunftsdefinition/©Bibliographisches Institut GmbH, 2020)

Die soziale Arbeit zeigt sich in einem vielfältigen und von helfenden Situationen geprägten Kontext, auf welchen dieser Artikel einen umfangreichen Blick richten möchte. Nicht alle, doch einige hoch aktuelle als auch zeitlose Situationen und Fragestellungen aus der sozialen Arbeit möchte diese Ausarbeitung zum Anlass nehmen, um verschiedene Sichtweisen zu erörtern und zur individuellen Innenschau einzuladen.

Thema:

„Ethik von Mensch zu Mensch“

Es kann ein verstörender und aufrüttelnder Anblick inmitten eines wohlstrukturierten und wohltemperierten Alltags sein: Der sichtlich angetrunkene, in schmuddeliger Erscheinung wirkende Mann, in gebeugter Haltung und mit sich Selbstgespräche führend, stehend am Eingang eines Lebensmittelgeschäfts, den vorbeigehenden Passanten zur Schau gestellt. Was löst eine solche Situation innerhalb des sozialen Gefüges im Betrachter aus? Welche moralischen Vorstellungen und Erwartungshaltungen impliziert dieser bewegende Moment bei allen Beteiligten? Eine spontane Ablehnung könnte spürbar werden, auch eine Diffamierung des Bedürftigen könnte geschehen. Wieder andere Betroffene verspüren das innere Bedürfnis, helfen zu wollen, scheinbar sozial verantwortungsvoll zu interagieren. Schon der Psychoanalytiker Sigmund Freud erkannte den Zusammenhang von Situationen und dem Auslösen von unbewussten innerlichen Prozessen, der Determiniertheit aller sozialen Prozesse, welche der Motivator der Handlungen darstellt.

Der Einkaufsladen ist erreicht, der vermeintlich Bedürftige hinter sich gelassen. An der Obsttheke fällt der Blick auf eine Person, die keine Mund-Nasen-Bedeckung trägt. Inmitten der gegenwärtigen Corona-Pandemie ein seltener und zugleich unzulässiger Anblick. Darf dies sein? Um den Menschen bildet sich auf einmal eine hitzige Traube, er wird zur Zielscheibe der Diskriminierung anderer. Ihm werden Attribute zugeteilt und Absichten unterstellt. Kaum zu Wort kommend, artikuliert und gestikuliert er händeringend um Absolution seines Nicht-Tragens eines Mundschutzes. Es geht um die Frage dieser Tage: Wann enden die Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung zum Wohle der Allgemeinheit und der Unversehrtheit jedes Einzelnen? Wo sich moralische Werte und gesellschaftliche Normen scheiden, erließ die Politik Gesetze und Verordnungen, welche ein soziales Miteinander in der Krise regeln und strukturieren sollen. Der Schutz und die Gesundheit deklarieren das Doktrin, welches zum Gradmesser einer jeden sozialen Interaktion wird und persönliche Lebenseinstellungen und Existenzen überschattet.

Recht auf Selbstbestimmung vs. das Wohle der Gemeinheit?

Zwei Herren in Uniform betreten das Szenario, der Marktleiter hat die Polizei hinzugerufen. Was ist, wenn eine Situation innerhalb der sozialen Interaktion schwerwiegend außer Kontrolle gerät? Wer vermag eine toxische Anreihung von Ereignissen im Sinne aller Beteiligten immer richtig zu deuten? Der Polizei obliegt als finales Mittel der Deeskalation der „finale Rettungsschuss“:

„Ein Schuss, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tödlich wirken wird, ist nur zulässig, wenn er das einzige Mittel zur Abwehr einer unmittelbar bevorstehenden Lebensgefahr oder der unmittelbar bevorstehenden Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der körperlichen Unversehrtheit ist.“

(Art. 66 Abs. 2 Satz 2 Bay PAG)

Dem klügsten Menschen vermag es wohl nicht immer gelingen, binnen Sekunden das Todesurteil über einen anderen Menschen gewissenhaft auszusprechen, zu richten über Leben und Tod, einen hochgeschaukelten Moment dementsprechend auszuwerten. Die Alternative wäre eine Eskalation ohne das Einwirken ein jeder solcher Menschen. Den größten Respekt den Involvierten, die bereit sind, diese Bürde der Verantwortung zu schultern, die oft ein Leben lang die Konsequenzen eines „finalen Rettungsschusses“ verarbeiten.

Der Einkauf wird fortgesetzt, von der Obst- und Gemüseabteilung in Richtung Kühlregal. Eine verschleierte Frau passiert den Weg, freundlich blitzen ihre warmen, dunklen Augen unter den Stoffen hervor. Die Frage, die aktueller ist denn je, steht im Raum: Was geschieht mit Menschen mit Migrationshintergrund, gegen die aufenthaltsbeendende Urteile rechtsstaatlich ausgesprochen wurden? Eine Option stellt der faktische Schutz des Kirchenasyls dar. Dabei wird unterschieden zwischen einem offenen, stillen oder verdeckten Asyl. Die rechtswissenschaftlich umstrittenste Maßnahme bildet das verdeckte Asyl, bei dem keine Behörde hinzugezogen wird. Menschen, die ein anderes Land aufsuchen, in dieses flüchten, ihre Heimat und Wurzeln hinter sich lassen, haben oftmals schwerwiegende Gründe dafür und werden häufig durch drastische, unzumutbare Umstände dazu gezwungen. Die schlimmsten Traumata flankieren zu häufig ihren Lebensweg. Die Kirche sieht sich in sozialer Verantwortung gegenüber diesen Menschen, lebt und gibt Nächstenliebe und gewährt den Schutzsuchenden Unterschlupf, wie es die theologischen Lehren preisen. Ist dies richtig oder impliziert dies nicht ein Veto in Bezug auf das Vertrauen haben in die Urteilskraft des Staates?

Verschuldete oder nicht verschuldete Not?

Zwei Meter weiter am Kühlregal, Richtung den Joghurts. Lieber den Erdbeer- oder lieber den Vanillejoghurt? Da dringen Gesprächsphrasen an die Ohren und lassen einen zum unfreiwilligen Lauscher werden: Eine junge Frau mit Kleinkind klagt einer älteren Frau ihr Leid, keine Wohnung finden zu können. Gerade sei sie ihrem schlagenden, alkoholkranken Partner entkommen, geflüchtet in eine Mutter/Vater-Kind Einrichtung, und nun widerfahren ihr Vorurteile en masse. Dies sei für sie schlimm, jede ablehnende Reaktion von Seiten der Vermieter, ohne sie und ihre persönlichen Umstände näher zu kennen, wie eine weitere Ohrfeige. Sie fühle sich, als würde sie ein Stigma tragen, wohnungssuchend aus einer sozialen Notunterkunft kommend.

„Aufenthalte im Frauenhaus werden häufig über Leistungsansprüche aus dem Sozialgesetzbuch finanziert. Weil EU-Bürger_innen in vielen Fällen nicht leistungsberechtigt sind, müssten sie Unterkunft und Beratung selbst finanzieren – und kommen deshalb oft gar nicht in den Schutzunterkünften an.“

 (Aktuelles, Bewohnerinnenstatistik, Pressemeldungen, 2019, ©Frauenhauskoordinierung)

Ist es vertretbar, einer leitgeprüften Person weiteres Leid in Form von Diskriminierung bei der Wohnungssuche zu vermitteln? Steht ein Urteil zu, ohne in den direkten Dialog gegangen zu sein, geleitet von gesellschaftlichen Konventionen? Oder wird zu viel Aufhebens um eine vermeintliche Selbstverständlichkeit gemacht, künftige Mieter auf Herz und Nieren zu prüfen?

Ein Hilfsangebot – bereichernd oder nicht?

Da rennen auf einmal zwei Jungs den Einkaufsflur entlang und eine Frau mittleren Alters hinterhereilend, bemüht die Buben zu bändigen. Wie es wohl ist, wenn die Kinder viel Unruhe in sich verspüren und Mühe haben, dem Lernstoff und Schulalltag konzentriert und geflissentlich zu folgen? Die Schulsozialarbeit kann hier Antworten und Hilfestellung geben. Sie meint professionelle, sozial-orientierte Arbeit für und mit den Lernenden und Arbeitenden einer Schule. Laut den „Leitlinien für Schulsozialarbeit“ des Kooperationsverbunds Schulsozialverband beruht die Schulsozialarbeit immer auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Sie kann und sollte nicht erzwungen oder gar machtvoll missbraucht werden. Ein Hilfsangebot in dieser Hinsicht kann für alle Beteiligten eine wunderschöne und produktive Bereicherung darstellen. Und sie vermag ebenso unter Druck zu setzen, Hilfsangebote annehmen zu müssen, um nicht sozial benachteiligt zu werden. Wie steht es hier um die Menschen mit Migrationshintergrund: Wird die Schulsozialarbeit auferlegt als Voraussetzung einer guten und gewollten Integration? Haben diese Menschen eine Wahl, die Hilfe anzunehmen oder auszuschlagen?

Nun noch schnell zu den Zeitschriften, um sich über das aktuelle Zeitgeschehen zu informieren. Ist es ethisch vertretbar, unser Land am Hindukusch zu verteidigen? Die Frage kommt auf, nachdem die Entscheidung darüber im Raum steht, mit bewaffneten Drohnen die Bundeswehr vor Ort aufzurüsten. Die Befürworter argumentieren, die Drohnen dienen ausschließlich zum Schutz der Soldaten und Soldatinnen vor Ort. Ob diese Maßnahme sinnhaft und dem Völkerrecht entsprechend ist und zugleich der ethischen Überprüfung standhält, wird durch dieses Argument gleich ausgeklammert. Und so bleibt die Fragestellung erhalten: Schützt das Einsetzen bewaffneter Drohnen Leben oder nimmt es Leben?

Würde vs. Asyl?

Schnell zur nächsten Zeitung greifen, doch auch da ziert ein gehaltvolles Thema das Titelblatt: „Wie steht es um die Menschenrechte für Flüchtlinge in Gewährswohnungen, für Menschen ohne Aufenthaltstitel?“ In Deutschland ist es anerkannten Asylbewerbern erlaubt, für sich Wohnraum anzumieten. Nicht anerkannte Asylbewerber haben keine Wahl, sie kommen in Gewährswohnungen unter. Dadurch findet in gewisser Weise eine Klassifizierung der Asylsuchenden statt; die eine Gruppe erfährt das Recht auf Selbstbestimmtheit und Autonomie, die andere Gruppe kann nicht frei wählen, eine Unterkunft wird bereitgestellt. Hauptsache Unterkunft, könnte man meinen. Doch ist es wirklich so einfach, wie es dem Anschein nach aussieht? Greift diese Regelung nicht in die Würde eines jeden ein, der ein Land aufsuchte, welches das Recht auf Würde im Grundgesetz verankert hat? Aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet könnte diese Einteilung auch als ein Medium der Strukturierung gesehen werden. Die Abläufe haben in sich eine gewisse Ordnung, es sollen nicht einfach Menschen abtauchen und unter dem Radar verschwinden.

Aufgewühlt und etwas dumpf wird sich in die Schlange im Kassenbereich angestellt. All diese Gedankengänge, all diese sozialen und menschlichen Gefüge und Situationen. Eine undefinierbare Stimmung steigt auf. Wie steht es um unsere Selbstbestimmung? Hat nicht ein jeder Mensch das Recht, nach seiner Fasson, seinem Gutdünken im legalen Rahmen zu leben und sich nach persönlichen Vorlieben und Vorstellungen zu entfalten? Solange sich an Gesetze gehalten wird, sollte der Staat nicht äußerst vorsichtig mit einem Zugriff auf Leben agieren? Und gilt dies nicht auch für andere Personen, die meinen zu wissen, wie ein Leben gelebt werden soll? Es ist Teil des Verständnisses der Selbstbestimmung, frei wählen zu dürfen, wen ich von außen in mein Leben eintreten lasse, wer bleiben darf und wer wieder gehen soll, wer Macht über meine Entscheidungsfreiheit erlangt oder wer diesen Einfluss auf mich niemals haben wird.

Selbstbestimmtheit vs. Krankheit?

Im Sinne der Menschenrechte ist das Selbstbestimmungsrecht ein wesentlicher Eckpfeiler unserer Autonomie. Wann ist eine Einmischung von außen legitim? Wann endet der freie Wille zugunsten dem Wohle der Gemeinschaft? Wie sieht es erst damit aus, wenn Menschen mit Abhängigkeiten und psychischen Störungen Machtausübung in einem Zwangskontext erleben müssen? Der abgeschlossene kleine Mikrokosmos einer Klinikwelt lässt nicht immer einen Blick von außen nach innen und von innen nach außen zu. Das Vertrauen zwischen Patienten und behandelndem Arzt sollte dabei unabdingbar gegeben sein, um Fehlentwicklungen von beiden Seiten zu vermeiden. Gegenüber Menschen mit psychischen Auffälligkeiten und Beeinträchtigungen kann mitunter sehr leicht, oftmals auch im besten Gewissen und Wissen, Macht und Zwang ausgeübt werden. Sie sind das schwächste Glied in einer Reihe und nicht immer Herr ihrer Sinne aufgrund verschiedener Psychopharmaka. In einem solch intensiven Gefüge hat das verantwortungsvolle Handeln eines jeden oberste Priorität. Ein Mangel an Personal kann sich nachteilig auf die Verpflegung und das Therapieren dieser Menschen auswirken.

Schluss:

Der Einkaufsladen wird verlassen, zurück im Auto drehen sich die Gedanken im Kreis. Die Frage kommt in den Sinn: „Wann ist Hilfe helfend und wann nicht?“ Hilfe geben zu wollen, als Geschenk und Frage darbietend. Dem Betrachter zeigt sich oftmals eine Momentaufnahme, die zu schnellen Entscheidungen zwingt. Hilfe geben zu wollen kann egoistische und profilierende Motivationsgründe haben. Hilfe zu geben kann von eigenen Problemen ablenken und ein Gefühl der inneren Zufriedenheit schenken. Hilfe zu geben kann auch völlig unbedarft und selbstlos geschehen. Es sollte immer in Erwägung gezogen werden, die Hilfestellung wie eine Einladung zu offerieren, welche angenommen oder abgelehnt werden kann. Nur selbstbestimmt kann Hilfe angenommen werden und sich das Machtgefüge zwischen Helfer und Geholfenem nicht verschieben. Hilfe kann als Himmel empfunden werden. Hilfe kann als Hölle empfunden werden. Dazwischen, gibt es da etwas?

Literaturverzeichnis:

  • Duden/Herkunftsdefinition/©Bibliographisches Institut GmbH, 2020
  • Universität Heidelberg/Bereich allgemeine und theoretische Psychologie „Freuds Psychoanalyse – Eine Einführung“, Stuttgart: Kohlhammer, Köhler, T., 1995
  • „Der finale Rettungsschuss – Polizeirechtliche Vorschriften und deren Verfassungsmäßigkeit“, Manuel Holder, 14.12.2006
  • Polizeiaufgabengesetz Bayern/PAG
  • Ausarbeitung/wissenschaftliche Dienste/©2018 Deutscher Bundestag
  • Neundorf, „Kirchenasyl – Verfassungsrechtliche Aspekte und ausgewählte administrative Handlungsmöglichkeiten“, ZAR 2011, 259 f.
  • Verein Frauenkoordinierung/Bewohnerinnenstatistik 2019
  • Kooperationsverbund Schulsozialarbeit, Januar 2015
  • Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für internationale Politik und Sicherheit, „Zur Ethik militärischer Gewalt“, Berlin, Peter Rudolf, März 2014, S. 6
  • Politik/Wolfgang Lieb/17.12.2020
  • Universität Oldenburg, Lexikon, 21.08.2020
  • „Psychisch kranke Straftäter: Epidemiologie und aktuelle Praxis“, Springer, Norbert Leygraf

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Der Stalker

Der Stalker

Bisher hatte ich hier auf Twitter fast ausnahmslos gute und bereichernde Erfahrungen sammeln können. Bis zu dem Moment vor einigen Tagen, als mir mein Vater einen anonymen Brief zeigte, den er zugeschickt bekam. Darin waren ein paar Kopien einiger meiner sexuell orientierten Inhalte zusammengetragen.

Nun ist mein Vater eine herzensgute und gebildete Person, der mit den Menschen umzugehen und diese meist richtig einzuschätzen weiß. Er bedeutete diesem Schreiben keine weitere Aufmerksamkeit bei. Was habe ich nur für einen tollen Vater, sei hier einmal erwähnt!

Ich persönlich ließ diese Situation erst einmal auf mich wirken. Ich muss dazu sagen, dass ich schon einmal einen Stalker hatte und mir ein solches Verhalten nicht unbekannt ist dadurch. Ich möchte den Absender dieses Briefes nicht einen Stalker nennen. Verunglimpfung und Belästigung sind jedoch unter anderem Zeichen eines Stalkings und Strafbestände.

Und so entschloss ich mich dazu, an meine Follower, meine Mitlesende und nicht zuletzt an den Absender dieses Briefes in meinem Account heranzutreten. Ich machte mein Erlebtes öffentlich, gepaart mit einer persönlichen Botschaft an den Absender. Dabei sagte ich klar: “Ich bin nicht ihr Opfer!”

Warum schreibe ich euch dies?

Vielen Menschen passieren tagtäglich ähnliche Situationen. Andere Menschen überschreiten Grenzen und nähern sich ihnen in unangebrachter, ja sogar strafrechtlich relevanter Weise. In solch einer Situation gibt es meines Erachtens nur zwei Möglichkeiten zu reagieren:

  1. Ich verhalte mich still und warte ab, ertrage derweil weitere Übergriffe, um zu sehen, wie sich alles entwickelt.
  2. Ich erhebe meine Stimme und melde mich zu Wort und benenne den klaren Sachverhalt. Keine Beleidigung, kein Schimpfen, einfach den gegebenen Sachverhalt festhalten.

Ich äußere an dieser Stelle meine ganz persönliche Meinung, die bitte niemanden unter Zugzwang setzen soll. Auch möchte ich damit keinem Menschen zu nahe treten oder verletzend sein. Ich spreche von meiner Wahrnehmung, die mir sagt, dass an diesem Punkt jeder folgende Entscheidung treffen muss:

Werde ich zum Opfer?

Oder werde ich nicht zum Opfer?

Jeder soll dies für sich passend entscheiden. Ich sagte mir, ich bin kein Opfer! Und entschloss mich dazu, das Erlebte öffentlich zu posten. Einerseits, um dem Absender des Briefes eine Grenze aufzuzeigen, andererseits um betroffenen Menschen Mut zu machen. Mut, seine eigenen Träume zu verwirklichen und sich nicht von irgendwelchen Leuten darin beeinflussen zu lassen.

Die Frage ist immer, ob Ihr diese Macht, über euer Leben zu bestimmen, unbewusst abgeben wollt. Oder ob ihr die Kontrolle über euer kostbares Leben behalten wollt.

Es geht um die Frage aus der Tiefenpsychologie und der Soziologie, inwieweit ihr euer eigenes Leben von den Erwartungen und Verhaltensweisen anderer abhängig machen wollt. Wenn ihr zu sehr bei den anderen seid, lauft ihr Gefahr, euch selbst zu verlieren. Ihr lebt schlussfolgernd euer Leben für andere Menschen, nur um deren Erwartungen zu erfüllen.

Dem Postboten, der nicht die Absender eurer Pakete sehen soll..

Der Nachbarin, die euren Besuch nicht sehen soll..

Der Stalker, der euer Leben nicht zerstören soll, weswegen ihr euch unauffällig verhaltet und in Deckung geht.

Einige von euch haben vielleicht schon mitbekommen, dass ich eine Sternchenmama bin. Ich musste mein unheilbar krank geborenes Kind vor einiger Zeit zu Grabe tragen. Ein solch schmerzhafter Verlust ist in keine Worte zu fassen. Doch er löst in einem viele Denkprozesse und Entwicklungen aus. Du erkennst auf einmal ganz klar, dass das Leben jederzeit zu Ende gehen kann und wir die verbliebene Zeit sinnvoll nutzen sollten.

Habt ihr noch nicht gelebte offene Träume?

Träume, die euch in der Nacht heimsuchen und still und leise auf deren Erfüllung warten?

Ein solch heftiger Todesfall öffnet dir schlagartig die Augen, was in deinem Leben schief läuft, mit welchen Halbwahrheiten du dich zufrieden gibst, was du ein Leben lang sehntest, egal ob bewusst oder unbewusst. Nach dieser bedeutsamen Innenschau deiner selbst bist du ein anderer Mensch geworden. So war es zumindest bei mir.

Ich spürte wieder meine Destination Schreiben und setzte einige Dinge in Gang. Wenn ich es nicht jetzt umsetze, meinen Traum vom Leben, wann denn dann bitteschön?

“Das mache ich morgen!” Wie oft sagen oder hören wir diesen Satz.

Wisst ihr denn, was morgen ist? Ob ihr gesund bleibt, in Arbeit und in Partnerschaft?

Wenn mich eines der Tod meiner Kleinen lehrte, dann das, dass Leben nie gänzlich vorhersehbar ist. Und wir dieses kostbare Geschenk Leben vollkommen genießen sollten. Verschiebt keine Vorhaben auf morgen, lebt im Hier und Jetzt, eure Träume und eure Fasson als Gradmesser!

Kommen wir noch einmal abschließend zu dem Menschen, der diese anonyme Post verschickte. Solche Menschen sind tiefenpsychologisch gesehen meist zutiefst unglückliche Menschen, die in ihrem Leben klein gehalten werden und äußerst unzufrieden sind. Sie haben dadurch das Verlangen, in das Leben anderer Menschen einzugreifen, um dadurch Macht zu spüren und sich nicht mehr so unwichtig zu fühlen. Sie erkennen dabei nicht immer, dass sie soeben eine Straftat begehen könnten. Oder sie spielen mit dem Risiko und wähnen sich sicher in der Anonymität.

Spätestens da sollte jeder mittlerweile wissen, dass wir uns lange nicht so unerkannt im Netz bewegen, wie wir denken. Auch Täter werden gesehen, oft auch noch Jahre danach. Auch Täter haben Beruf, Familie, Ehefrauen, Partnerinnen und ein soziales Umfeld. Auch sie sollten sich jederzeit überlegen, ob sie weiterhin diesen unrechten Weg beschreiten sollten…

Eure Julia

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“Die Hand des Mannes”

“Die Hand des Mannes”

Gastbeitrag von Julia X

FSK 18

So ein Mann ist ja schon ein wundervolles Geschöpf! Sein Denken, seine Zielstrebigkeit im Handeln, seine Präsenz… und sein Körper.

Oh ja, der wunderschöne Körper eines Mannes!

Ich möchte an dieser Stelle von meinen persönlichen Vorlieben und Einstellungen schreiben. Niemand soll sich davon bitte verletzt fühlen, das wäre nicht meine Intention.

Jeder von uns hat seine subjektiven Empfindungen, und das ist auch gut so. Es gibt bestimmte Bereiche am Körper eines Mannes, die mich besonders ansprechen, denn sie erzählen mir seine Geschichte.

Dazu gehören sein wundervoller und prachtvoller Schwanz, sein süßer Hintern, seine ausdrucksstarken Augen, seine behaarten Arme, seine ansprechenden Lippen… Doch mit am meisten sprechen mich die Hände eines Mannes an.

Warum ausgerechnet die Hände?

Nun, seine Hände sprechen mich nicht nur an, sie sprechen auch mit mir. Trägt er Schwielen an den Handflächen, so könnte er zum Beispiel körperliche Arbeiten verrichten oder als Hobby pflegen. Auch machte ich bisher im Laufe meines Lebens die Erfahrung, dass (vielleicht auch zufälligerweise) ein Zusammenhang zwischen Größe und Statur des Körpers und Größe und Statur der Hand besteht.

Welche Anziehungskraft üben die Hände aus?

Die Hände eines Mannes können in einer Frau starke Emotionen hervorrufen. Ich kann auch hier nur wieder von meinen persönlichen Empfindungen sprechen: Wenn ich einen Mann mag, achte ich auf seine Hände. Ich stelle mir vor, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn er mich mit diesen Händen berührt. Eine schwielige Hand weckt andere Empfindungen als eine weiche Hand. Lange Finger fühlen sich anders an als kurze Finger. Und ich nehme auch seine Fingernägel wahr.

Lieber Mann, achte auf deine Fingernägel!

Einmal schrieb ich mit einem Mann. Wir befanden uns in der Kennenlernphase, und er schickte mir ein Bild, auf welchem er mir zuprostete. Eine liebe und sympathische Geste – die leider ihre Wirkung verfehlte. Warum? Er hatte für meinen Geschmack ziemlich lange Nägel, und unter den Nägeln befand sich ein dunkler Dreckrand.

Ihr Lieben, ich höre euch aufbegehren!

Keine Sorge, ich würde mich nicht als eingebildete und oberflächliche Tussi bezeichnen, doch das war für mich persönlich wenig ansprechend. Ich sprach ihn unbedarft darauf an, wie es eben so meine Art ist. Vielleicht hatte er ja im Garten gearbeitet und kam noch nicht dazu, seine Hände zu reinigen. Seine Reaktion war, dass er nicht verstehe, warum ich das als störend empfinde, denn seine Hände seien immer so, er sei schließlich ein Mann. Wenn ich Weicheier wollte, wäre er nicht der richtige Mann…

Ich stelle mir vor, wie mich diese Hände packen, festhalten, streicheln, die Brustspitzen massieren… Wie ich an ihnen sauge, sie in meine Fotze und meinen Hintern gleiten und mein Haar zusammenheben, während ich ihm seinen Harten blase…

Wie ich diese Hand halte beim Spazierengehen, beim gemeinsamen durchs Leben gehen.

Die Hand eines Mannes

Auch ein Handrücken, auf welchem sich Adern abzeichnen, behaart und kantig, lässt meine Fantasie in Wallung geraten. Eine Männerhand ist Sex pur. An diesem Punkt geht mein Fetisch noch weiter, denn wirkt die Hand an sich schon überzeugend, wie wirkt sie dann erst umhüllt in Handschuhen?

Lederhandschuhe, Latexhandschuhe, Stoffhandschuhe…

Spannt der Mann seine Hand in einem eng anliegenden Handschuh an, so zeichnen sich die Fingerknöchel stark und markant ab – für mich ein äußerst erotischer Anblick und purer Genussmoment! Tja ihr Lieben, was gibt es da nicht für wundervolle und erotische Spielarten in unserer großen und bunten Fetischwelt.

Fazit

Unterschätzt nie die Wirkung eurer Hände, egal ob Mann oder Frau! Bitte bleibt im Geiste offen und frei von Vorurteilen gegenüber Andersdenkenden und Fetischliebhabern.

Das Schmankerl am Schluss

Ich habe eine besondere Fähigkeit: Ich kann anhand des Daumennagels eines Mannes sagen, wie sein Schwanz aussieht…

Eure Julia

Beitragsbild: Jackson David auf Pixabay

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